Andalusien

Allgemein Bildserie zu Andalusien

Andalusien ist eine der grösseren Gemeinschaften Spaniens mit 88'000 km2 Fläche und 7,3 mio Einwohnern (1998).

Einkommensmässig liegt Spanien unter dem spanischen Durchschnitt. Das BIP/Person liegt bei 75% des spanischen Schnittes. Die Arbeitslosigkeit, die in Spanien bei ca. 16% liegt, ist in Andalusien bei 29%, wobei etwa die Hälfte Landarbeiter sind, die schon immer nur teilweise Arbeit hatten. Insofern ist die Berechnung der Arbeitslosigkeit schwierig.

Die folgende kleine Tabelle zeigt, welche Bedeutung die verschiedenen Wirtschaftssektoren in Andalusien haben im Vergleich zu Spanien:

Mehrwert der Sektoren (1998)  

Andalusien Spanien
I   7,1   3,5
II, ohne Bausek.   17,2   23,6
Bausektor   8,5   7,8
III   67,2  65,1

Die Analphabetenrate ist in Andalusien mit geschätzten 8% etwa doppelt so hoch wie in ganz Spanien. Trotz günstiger naturräumlicher Verhältnisse eine unterenwickelte Region. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Region etwas dichter besiedelt ist als Spanien im Durchschnitt. Die Bevölkerung wanderte nicht im gleichen Mass aus als in anderen, noch ausgesprocheneren Schwächeräumen. Dadurch blieb die Bevölkerungsdichte relativ hoch. Das Gesamtvolumen der Wirtschaft ist wesentlich höher als in anderen Randräumen, es verteilt sich aber auf eine grössere Bevölkerung. Es sind auch nur wenige Regionen, die vom Aussterben bedroht sind, wie das andererseits in Kastilien und Aragon durchaus der Fall ist.

Physische Grundlage

Andalusien besteht aus vier wesentlichen Einheiten:

Dem Quadalquivirtal als Molassetrog zwischen Sierra Morena und Betischer Kordillere. Hier ist das Klima im Sommer sehr heiss, im Winter mild. Dank etwas höherer Niederschlagssumme als in reinem mediterranen Raum und Bewässerungsmöglichkeiten ein sehr fruchtbarer Raum, insbesondere in seinem tiefsten Teil.

Die betische Kordillere mit ihrem Vorbergen gegen das Guadalquivirbecken hin und dem höheren Teil, der dann abrupt gegen das Meer abfällt. Das Schmelzwasser und die höheren Niederschläge ermöglichten hier schon in früheren Zeiten eine für Spanien erstaunlich hohe Bevölkerungsdichte im Gebirge.

Die vielen kleineren und grösseren Küstenniederungen mit subtropischen Kulturen und heute natürlich dem Tourismus
Die südwestlichsten Gebiete, die zu alten Mittelgebirgen gehören und eine Mischform zwischen atlantischem und mediterranem Klima aufweisen.

Die potenzielle Vegetation besteht zu einem grossen Teil aus Hartlaubgehölzen, insbesondere der Steineiche. Die höheren Gebiete gehen über in einen Kiefernwald, der zuoberst schliesslich einer alpinen Rasenstufe mit vielen Endemiten Platz macht. Andalusien ist im April und Mai zauberhaft schön durch die vielen Blütenpflanzen. Es gibt verschiedene, unter Orchideenfreunden bekannte, Plätze mit verschiedenen, grossblütigen wilden Orchideen.

Geschichte, Gesellschaft

Andalusien wurde als letztes Gebiet von den Christen erobert. Als 1492 schliesslich Granada in die Hände der Katholischen Könige Ferdinand von Aragon und Isabell von Kastilien fiel, war dies nach einer arabischen Herrschaft von 800 Jahren. Es war sicher kaum mehr viel romanischchristliches Erbe vorhanden. Man darf hier also kaum von einer Reconquista sprechen, sondern von einer reinen Conquista, einer Eroberung. So ist die Reconquista eigentlich fliessend in einer Conquista übergegangen. Darum ist auch weiter nicht erstaunlich, dass gerade Portugal und Spanien zur Eroberung der Neuen Welt ansetzten. Andere Länder setzten zuerst auf eine Handelsoffensive mit kleinen Stützpunkten. Spanien ging immer gerade zu einer flächenhaften Inbesitznahme über. Genau nach dem Schema der Reconquista eroberten verschiedene Adlige mit ihren Truppen im Auftrag des Königs das Territorium. Sie hatten Interesse an flächenhafter Erschliessung, weil das Gebiet ihnen als Lehen übergeben wurde. Die Einwohner der Gebiete wurden zwar zum Teil indirekt vernichtet, indem sie umgesiedelt und zur Zwangsarbeit angehalten wurden. Aber die Spanier brauchten, um ihre Lehen in Wert zu setzen, Arbeitskräfte. Also blieb das vorhandene Bevölkerungselement bestehen, im Gegensatzzur völligen Vernichtung der Indianer in Nordamerika.

Wie im Geschichtskapitel erwähnt, machte die Reconquista in Kastilien halt, die Sierra Morena wurde zum Grenzland, das allerdings gar nie richtig besiedelt war. Ab 1212 bis 1248 wurde zügig ganz Niederandalusien erobert. Bereits waren die Städte Cordoba und Sevilla nur noch ein Abklatsch ihrer einstigen Blüte, da sie nun 200 Jahre am Nordrand des arabischberberischen Einflussgebietes lagen. Während ungefähr 200 Jahren blieben Teile der ansässigen Bevölkerung erhalten. Viele Mohammedaner flohen ins restliche arabische Gebiet, ins Königreich Granada. Dort stieg die Bevölkerungsdichte sehr stark an. Viele blieben aber in den Städten. So entstand für 200 Jahre eine multikulturelle Gesellschaft mit Mudejar (christianisierten Mohamedanern), moriscos (Mohamedaner brauner Farbe), Juden und neu den Christen. Auf dem Lande wurden die islamischen Landeigentümer meist vertrieben oder die wenigen, die blieben konvertierten. Das arabische Element verschwand wahrscheinlich recht rasch, kulturell und genetisch. Die katholische Kirche sorgte auch für eine Säuberung. Viele Gebiet versanken in einen Dämmerschlaf. Fruchtbares Land verbuschte, da zu wenig Bevölkerung für die Pflege vorhanden war. Kleine Dörfer standen in der weiten Ebene, dazwischen Niemandsland. Auch Sevilla und Cordoba brauchten recht lange, bis sie sich wieder erholt hatten. Rings um das nun sehr dicht besiedelten Hochandalusien mit dem Königreich Granada, entstand ein letzter Gürtel von Niemandsland mit den Wehrdörfern der Christen. Alle Bewohner lebten innerhalb der befestigten Städte. Es sind eigentliche Agrostädte mit der Zusatzbezeichnung "de la frontera" (Morón, Jimena, Jerez etc.). Auch auf mohamedanischer Seite entstanden Wehrdörfer oder Städte wie etwa Ronda oder Zahara oder La Guardia. 250 Jahre hielt sich dieses Reich, wohl auch weil es ein Vasllenstaat der kastilischen Könige wurde und viel Geld einbrachte. Es muss mit der hohen Bevölkerungsdichte und der Ansammlung von geschickten Handwerkern noch einmal eine grosse Blüte erlebt haben. Chroniken sprechen von einer Million Einwohner in diesem Gebirgskomplex. Siedlungsschwerpunkte waren natürlich die intramontanen Becken mit ihren Schwemmländern und der Bewässerungsmöglichkeit wie die Region von Granada oder Guadix. Die Bewässerungstechniken wurdne noch einmal perfektioniert, um die Bevölkerung zu ernähren. Berühmt sind die am Abhang der Sierra Nevada klebenden Dörfer von Alpujarras, die später mit ihren Bewässerungseinrichtungen von den Christen übernommen wurden. Heute zerbrechen allmählich die alten Dorfstrukturen und mit ihnen die Bewässerungsgemeinschaften, die seit Jahrhunderten die Kanäle unterhalten hatten, geradeso wie im Wallis.

Nach der Eroberung des Königreichs von Granada, wurden in zwei Schübe nach Aufständen der Mohamedaner, alle Mauren verbannt. Nun war das letzte arabische Element vernichtet. Auf Grund der vielen arabischen Flurnamen, der übernommenen Bewässerungsanlagen und der arabischen Bauten wie eben die Alhambra, wird den Arabern immer ein zu grosser Anteil an der heutigen Ausprägung von Volk und Kultur zugeschrieben. Aber Kirche und Staat sorgten für eine Vernichtung. Andalusien ist bis heute sehr katholisch geblieben und der andalusische Dialekt wird zwar anders gesprochen als das Castellano Kastiliens, ist aber reine Hochsprache. Andalusien ist zu einer Besiedlungskolonie Kastiliens geworden.

Eine neue Blüte erlebte Andalusien mit den Entdeckungen, insbesondere Sevilla. Es erhielt das königliche Monopol für den Edelmetallhandel mit den Kolonien. Über den Flusshafen von Sevilla kam der ganze Reichtum Lateinamerikas nach Kastilien, das Gold und Silber aus Bolivien und Peru und die fertig geprägten Silbermünzen aus Guatemala und Mejico. Auch die Könige besuchten Sevilla und Andalusien gerne, liessen sich deshalb auch den Alcazar von Sevilla bauen, ein Palast in arabischem Stil für Christen gebaut. Die Grabeskapelle der katholischen Könige wurde in Granada errichtet. Diese Anknüpfung ans Weltreich und an Kastilien brachten Andalusien mehr Reichtum als den alten Herrschaftsgebieten Kastiliens.

Die Bevölkerung stieg wieder an, die Adligen setzten ihre immensen Ländereien in Wert. Es entstanden grosse Siedlungen, ganz im Stil der Wehrdörfer von damals. Diesmal ging es aber nicht um Abwehr. Hier entstand nich wie im Norden eine Schicht von freien Bauern. Die Macht des Hochadels ist schon so weit, dass die Ländereien nur noch an Adlige abgegeben wurden. So entstanden Grossdörfer mit den landlosen Landarbeitern, die auf den Grossgrundbesitzungen arbeiteten.

Dies war bis ins 19. Jahrhundert soweit ein rechter Verdienst. Seit dem Bürgerkrieg sind aber die Landarbeiter zu einem ständigen Problem geworden. Geringe Rentabilität der Landwirtschaft, geringes Interesse an optimalem Output und die Konkurrenz aus Übersee liessen das Arbeitsvolumen zurückgehen. Die Landarbeiter hatten immer weniger Tage mit Arbeit pro Jahr. Dadurch setzte dann auch hier ein Exodus ein, aber vor allem erst in den fünfziger und sechziger Jahren.

Damit entstand die paradoxe Situation, dass bei hoher Arbeitslosigkeit und relativ dichter Besiedlung heute die Landarbeiter fehlen. Darum werden dann häufig illegale Einwanderer aus Marokko und Tunesien eingesetzt. Vor allem die jungen Spanier sind kaum mehr bereit, als Taglöhner sich auf den Feldern der Reichen abzurackern. Diese Situation führte wiederum dazu, dass in den letzten 20 Jahren die rückständigen Grossbetriebe mit viel Handarbeit durchrationalisiert wurden und heute Musterbetriebe für Rentabilität und Rationalisierung sind.

Durch den Gegensatz der extrem reichen Grossgrundbesitzer adliger Abstammung und der Masse der besitzlosen Landarbeiter hat Andalusien schon lange zu einer politisch unruhigen Zone gemacht. Die PSOE stützte, mindestens am Anfang, ihre Macht auf die andalusische Partei ab. Gonzalez ist Andalusier. Es gab verschiedentlich auch Streiks und kleinere Aufstände der Landarbeiter. Aber die langen Zeiten der Königreiche und später der beiden Diktaturen und Rivera und Franco verhinderten eine gerechtere Verteilung des Landes. Noch heute gibt es Familien wie die Medinacelli, die ca. 70'000 ha Land besitzen und damit de facto auch einige Dörfer beherrschen. Heute schein der Tourismus Ruhe gebracht zu haben. Die einfachen Leute fanden im Tourismus vermehrt Arbeit, wenn auch relativ schlecht bezahlte Hilfsarbeit und die Reichen konnten mit ImmobilienSpekulationen und Investitionen im Tourismus noch reicher werden. Die hohe Arbeitslosenrate und das tiefe BIP zeigen trotzdem an, dass eine Strukturreform nötig gewesen wäre. Zur Entlastung versuchte die Administration von Franco neue Dörfer zu schaffen. Im ganzen Land, speziell aber in Andalusien und Extremadura, wo der Anteil der armen Landarbeiter besonders gross war, entstanden neue Dörfer.

Den Grossgrundbesitzern wurde Trockenland (campo secano) mit geringem Wert abgekauft. Enteignungen kamen nicht vor, da sich das faschistische Regime gerade auf Grossgrundbesitzer als eine tragende Bevölkerungsgruppe abstützte.

Es wurden in den fünfziger und sechziger Jahren sehr viele Stauseen gebaut. Unterhalb wurde nun den Grossgrundbesitzern Land abgekauft und an Landarbeiter verteilt. Es wurden planmässig neue Dörfer geschaffen mit quadratischem Grundriss und dem uns nun bekannten Aufbau mit Plaza mayor mit Kirche und Rathaus. Die Häuser waren sehr klein und einstöckig. Die Landvergabe war bescheiden. Bewässertes Land wurde pro Familie in der Grössenordnung von 4 bis 5 ha abgegeben. Dies genügte in den fünfziger Jahren, ist unterdessen aber eine obsolete Grösse, so dass schon längst die Landflucht auch diese Dörfer erfasst hat. Wichtige Kolonisationsgebiete waren der "de la frontera"Gürtel zwischen Morón und Jerez, die Umgebung von Córdoba sowie die Region Almeria. Die Dörfer bekamen meist eine Bezeichnung wie "Villanueva de ..." oder "Villafranca de ..." oder "Pueblonuevo de ...". In Almeria konnten sie sich am besten halten, da sie in den Boom der Gewächshauskulturen hineinkamen.

Der Tourismus hat an der Küste und in den wichtigsten Tourismusstädten die Gesellschaft sehr geändert. Innert kurzer Zeit wurde aus dem rückständigen, agrarischen Andalusien ein mondäner Ferienbezirk der EU. Der Kontrast, der einst zwischen Barcelona oder Madrid einerseits und dem rückständigen Andalusien andererseits geherrscht hatte, ist heute innerhalb Andalusien zwischen Torremolinos und den dahinterliegenden Bergdörfern zu finden.  

Beispiele einiger landwirtschaftlicher Nutzungen Bewässerung

mediterrane Landnutzung

Salobreña

Salobreña liegt gemäss den Ferienprospekten an der tropischen Küste Spaniens. In der Webseite steht:

Salobreña ist ein Gemeindebezirk der Provinz Granada. Es hat 10.088 Einwohner und liegt bei la Hoya de Motril,77 Km von der Haupstadt entfernt.

Salobreña ist das Musterbeispiel einer alten Siedlung an der Mittelmeerküste, in der die Araber mit Bewässerung und neuen Produkten einen grossen Einfluss hatten.

Der Rio Guadalfeo sorgte einst für genügend Wasser. Heute gibt es zusätzlich am Oberflauf einen Stausee. Das Klima ist ausserordentlich mild und geschützt. Es ist ein sehr mildes Mittelmeerklima mit einer ausgeprägten Sommertrockenheit:

Das Land wird nach Statistik zu 100% genutzt, da die Abhänge aus Matorral bestehen, das von Ziegen und Schafen beweidet wird. 30% werden bewässert, 28% sind unbebaut und wenig produktiv und 42% sind Trockenfeldbau.

Auf dem Trockenland werden vorwiegend Mandeln angebaut, zu je ca. 10% noch Oliven und Reben. Die Mandel erträgt die Trockenheit an den Hängen. Die bewässerten Felder (campo regadio, los riegos) werden wie folgt genutzt: 92% Zuckerroh, 6% Gärten und 1% Fruchtbäume. Allerdings wurde auf den nutzbaren Terrassen in den letzten Jahren der Anbau von Mangos, Chirimoyas, Papayas und Maracuyás ausgedehnt, er erscheint aber noch nicht in der Statistik. Sie beruhen auf einem neueren staatlichen Bewässerungsprojekt, das 1984 abgeschlossen wurde.

Je eine Zuckerraffinerie in der benachbarten Vega (bewässerten Flussause) von Motril und in Salobreña verarbeiten als einzige Fabriken in Europa heute noch Zuckerrohr. Ein Teil wird zu 41'000 t Zucker für den Binnenmarkt verarbeitet. Ein grosser Teil wird zu Alkohol. Dabei wird auch Melasse eingekauft und zu Alkohol verarbeitet. Der Alkohol wird auch exportiert.

Grosse Probleme bereitet die Kleinsparzellierung der bewässerten Flächen. Das ausserordentlich wertvolle, bewässerte Land wurde im Laufe der Jahrhunderte durch Erbteilung immer weiter zerstückelt.

Cabra

Cabra liegt als kleines Dorf mit einigen hundert Einwohnern am Fusse eines 1200 m hohen Berges der nördlichen Kalkketten der Betischen Kordillere. Dann läuft das Gelände mit sanften Hügeln in Niederandalusien aus. Nach Norden geht die Landschaft in Olivenhaine über, die alle Molassehügel bedecken, bevor dann die bewässerte Talniederung des Guadalquivir kommt. Nach Norden steigen dann die Berge allmählich höher an. Die Sierra hinter Cabra erhält etwas mehr Niederschläge als Niederandalusien. Ein komplexes Karstsystem führt dazu, dass hinter dem Dorf zwei Quellen das ganze Jahr über Wasser führen. Hier entstand urkundlich nachgewiesen, schon in westgotischer Zeit ein Dorf. Es war dann sehr lange arabisch, bis es irgendwann zwischen 1212 und 1492 von den Christen erobert wurde. Da es in coupiertem Gelände in Bergen befindet und lange arabisch war, wurde es von christlichen Bauern übernommen und nie als Grossgrundbesitz an einen adligen Streiter der Reconquista abgegeben. Das Dorf besitzt von allem, was man für die Subsistenz braucht: bewässerte Gärten, Olivenhaine, Reben und Weideland in der Sierra. Es fehlen allerdings die Getreidefelder, die möglich wären. Aber vermutlich brachte das Olivenöl besseren Ertrag, so dass man auf eine vollständige Subsistenz verzichtete. Die Eigenproduktion von Olivenöl ist längst vorbei. Man findet nur noch Spuren eigener Ölmühlen. Nach einer Krise mit Abwanderung in den sechziger und siebziger Jahren hat sich die Einwohnerzahl stabilisiert. Die Landwirtschaft hat in der kleineren Gemeinschaft prozentual wieder eine höhere Bedeutung erhalten. Der Tourismus hat einen neuen Markt für Salat, Kartoffeln und Gemüse aus den bewässerten Feldern ermöglicht. Heute arbeiten nur noch wenige Familien in der Landwirtschaft. Für sie ist der Anbau von Produkten interessant, die in tiefer gelegenen Bewässerungsfelder nicht so gut gedeihen. Man kann hier pro Jahr vier bis fünf Mal anbauen. Man hat sich spezialisiert auf Frühkartoffeln, Karrotten und Lattichsalat. Die aktiveren Bauern kauften sich einen kleinen Kombi und beliefern damit direkt Stadtmärkte und Hotels, z.T. bis an die zwei Fahrstunden entfernte Küste.

Wenn genügend bewässerte Fläche zur Verfügung steht, kann man diesen Prozess in verschiedenen Dörfern feststellen. Zuerst erfolgt eine Krise nach der Umstellung von Subsistenz auf Marktwirtschaft, weil dann nur noch wenige Familien ernährt werden können. Es erfolgt eine Bereinigung durch Abwanderung. Dadurch können durch Pacht und Kauf die verbleibenden Bauernhöfe vergrössert werden. In der kleineren Population haben dann diese wieder rentierenden Bauerbetriebe einen relativ höheren Stellenwert. Der primäre Sektor trägt wieder mehr zum Erwerb der Dorfgemeinschaft bei. In Cabra gibt es noch einige Gewerbebetriebe wie etwa Schreinerei Zimmerei, mechanische Werkstätte für Agrargeräte und einen Kleintransportunternehmer.

Gewächshäuser, Steppe und Touristen in Almería (Das Progrom von El Ejido)

Einleitung

Wie schon in den allgemeinen Kapiteln erwähnt, ist Almeria eine besondere Provinz. Es ist das trockenste Gebiet Europas mit der grössten Sonnenscheindauer (3.035 Stunden/Jahr). Die Niederschläge liegen an der Küste bei Almeria bei ungefähr 250 mm, also bei der Grenze zur Steppenvegetation. Auf der Halbinsel gegen das Cabo de Gata wahrscheinlich noch tiefer, doch gibt es dort keine Messstation. Mangels Wasser und wegen der kargen Vegetation blieb diese Halbinsel noch lange vom Tourismus verschont, ist jetzt aber auch erfasst worden. Auch Almeria selbst blieb noch längere Zeit vom Tourismus verschont. Es gibt auch heute noch keine internationalen Flüge dahin. Es liegt etwas abseits der grösseren, traditionellen Gebiete wie etwa AlicanteBenidorm oder TorremolinosMalaga. Vor allem das Innere der Provinz ist ärmlich wegen der geringen Niederschläge. Es hat sich durch die Übernutzung durch Abholzung und Beweidung ein eigentliches badland entwickelt. Hier wurden und werden noch in kleinem Umfang HispanoWestern gedreht. Es war die Provinz von Andalusien, die am meisten von Abwanderung betroffen war.

Traditionelle Wirtschaft

Almeria hatte eine gewisse Bedeutung als Massenguthafen, da aus dem Becken von Guadix das Eisenerz hier verschifft wurde. Die meisten Gruben sind aber wegen des tiefen EisenoxidGehaltes geschlossen worden. Eine Schwerindustrie hat sich nie entwickelt. Daneben wird etwas Blei abgebaut und neuerdings auch Marmor. Südwestlich von Almeria gibt es einige Salinen bei Roquetas del Mar.

Im Talgrund des Rio Andarax und in den Küstenebene westlich von Almeria gab es einen recht guten Grundwasservorrat. Der Rio Andarax entwässert das grosse Längstal zwischen Sierra de Gador und Sierra Nevada. Er hatte daher eine ganzährige Wasserführung und im Tal einen ständigen Fluss von Grundwasser. Unter Franco begann eine erste Erschliessung mit neuen Dörfern, die durch künstliche Bewässerung ermöglicht wurden. Zuerst wurde der Rio Andarax mit einfachen Mitteln angezapft oder die Grundwasservorräte erschlossen. Trotzdem ging in den sechziger und siebziger Jahren die Abwanderung weiter. Bis heute hat sich in manchen Dörfern eine Subsistenz mit Trockenfeldbau und kleinen, bewässerten Gemüsegärten gehalten. EspartoGras und Tafeltrauben waren schon immer Exportgüter.

Die Plastikkultur

In den achziger Jahren geschah das Wunder. Ein neuer Stausee gab Anlass zu Hoffnungen. Irgendwie entstand eine Initiative. Ungefähr um 1980 entstanden die ersten Plastikkulturen. Sie sind schon fast als horssol zu bezeichnen. Der fast sterile, sandige oder kiesige Boden wurde gemischt mit gut verrottetem Kuhmist. Mit Tröpfchenbewässerung mit Beigabe von Flüssigdünger wurden die Pflanzen unter Plastik gezogen. Der Plastik wärmt in den Wintermonate, dient aber viel eher der Reduktion der Verdunstung in den heissen Monaten. Doch der grosse Vorteil von Almeria sind die vielen Sonnenstunden im Winter und Früjahr bei schon recht hohen Temperaturen. Damit stehen die Plastikkulturen von Almeria in klarer Konkurrenz zu den energieintensiven HighTechGewächshäusern in Dänemark und Holland.

In den achziger und frühen neunziger Jahren dehnte sich die Fläche immer mehr aus und die Bevölkerung begann in den betreffenden Gemeinden wieder zu steigen.

Innerhalb von 10 Jahren von 1987 bis 1997 nahm in Berggemeinden und auch in Gemeinden, die in Tälern ohne neue Bewässerungsmöglichkeiten liegen, die Bevölkerung um 20 bis 30% ab. In den Gemeinden an der Küste nahm sie teilweise wegen des Tourismus etwas zu. Massiv nahm hingegen die Bevölkerung im unteren Tal des Rio Antarax zu, um 20 bis 25%. Es sind dies alles Bauern, die in der Hoffnung auf einen guten Gewinn mit Plastikkulturen zuwanderten. Insgesamt nahm die Bevölkerung der Provinz in der gleichen Zeit um 10% zu auf fast 500'000.

Die Behörden haben den Ausbau der Infrastruktur und die Kontrolle über den Landkauf und die touristischen und städtischen Bauten und Spekulationen verloren. In ländlichen Gebieten zerfällt die Infrastruktur, womit die Lage der Bergdörfer noch schlechter wird, während die Gewächshäuser wuchern und in der Stadt Almeria als Zentrum des Gemüsehandels und des Tourismus die Spekulation Blüten treibt und zum Teil auch zu einem Wildwuchs der Bauten führt.

Die einseitige Ausrichtung auf Tourismus und Landwirtschaft zeigt sich auch in der

Beschäftigtenstruktur 1996:  

Sektor % der Beschäftigten
Landwirtschaft   22,8
Industrie   5,4
Bau   11,88
Dienstleistungen   59,9

(Anuario Estadístico der Andalucía 1996)

Während in ganz Spanien 14% und in Andalusien 15% der bebauten Fläche bewässert werden, sind es in der trockenen, armen Provinz Almería 24%. Davon sind 58% Gemüse und Salate, 27% Fruchtkulturen. Die trockene übernutzte Landschaft zeigt sich auch darin, dass trotz der vielen Gebirge lediglich 18% als Hochwald ausgewiesen sind.

In der Statistik schlägt sich dieses Frühgemüse auch als Export nieder. In der spanischen Statistik werden Exporte ins Ausland auch provinzweise ausgeschieden.

Insgesamt führt Andalusien etwa gleich viel aus wie ein, während die Provinz Almería mit 367% Deckungsgrad der Importe durch Exporte sehr gut dasteht. Wertmässig werden für 140 mrd Pts Waren exportiert.

Damit ist die aber die Geschichte nicht fertig. Wie schon im allgemeinen Kapitel Landwirtschaft erwähnt, hat man sich mit diesem Boom viele Probleme eingehandelt.

Die armen Bauern, die diese Landwirtschaft betrieben, begannen aus schierer Verzweiflung damit. Es war eine Notlage. Entweder emigrieren oder das Risiko auf sich nehmen. Sie mussten Bankkredite aufnehme für Metallgestell, Plastik, Dünger und Saatgut. So liefern sie monatlich einen guten Teil der Einkünfte als Zinsen an die Bank ab.

Da der Markt in Mitteleuropa liegt, sind die Bauern von den Händlern abhängig. Das grosse Geld wird bei Händlern und Spediteuren gemacht. Die grosse Konkurrenz unter den Bauern drückt auf die Preise

Die Grundwasserreserven werden klar übernutzt. Tourismus und Landwirtschaft liessen den Grundwasserspiegel schon um einige Meter absinken. Das Wasser wird immer salziger, da Meerwasser von der Küste her nachdrängt. Nur salzresistente, besondere Züchtungen können ausgesät werden.

Häufig zerreissen Stürme oder heftige Regengüsse den Plastik. Die Bauern verschulden sich noch mehr.
Viele Bauern haben schon wieder aufgegeben, da ihnen das Geld ausging oder weil der Boden versalzen oder vergiftet war. Davon zeugen die Skelette von Stangen, die mit Plastikfetzen bewehrt, in den Himmel ragen.
Auch die Stauseen werden nie mehr voll. Auch das Oberflächenwasser wird übernutzt. Der Rio Andarax erreicht das Meer schon lange nicht mehr.

Der Boom der Landwirtschaft und des Tourismus liess alle anderen Wirtschaftszweige hintanstehen. Die weitere Infrastruktur wurde vernachlässigt, ganze Dörfer gleichsam vergessen. Es entsteht fast eine Art WildwestMentalität

Die Bauern finden keine Arbeitskräfte, die zu so tiefen Löhnen arbeiten würden, dass die Produkte noch rentabel bleiben. Es fallen aber viele Handarbeiten an, die sie alleine nicht durchführen können, zumal ihre Kinder trotzdem abwandern. Illegale Marokkaner, die in die Lücke springen, leben in eigentlichen Slums. Steigender Rassismus kann beobachtet werden.

Tourismus

Geschichte

Frühe Ansätze des T. in Andalusien

Neben den bekannten Anziehungspunkten(Sonde Sand, Meer, ...) ist das Bild, das sich in den Her kunftsländern der T. über die Bestimmungsregion geprägt hat, sehr wesentlich. Zum Meer und zur Sonne gehört immer noch eine exotische Kulisse. In Andalusien sind zwei Voraussetzungen gege ben, das die Landschaft und ihre Leute schon be kannt waren, bevor der grosse Massentourismus in den sechziger Jahren begann. In der spärlichen Reiseliteratur des 18. Jh. schon tritt Andalusien auf und zwar im Zusammenhang mit dem Bild der hel denhaften Räuberhäuptlinge und den sagenhaft reichen Grossgrundbesitzer mit ihren Gehöften, der Pferdezucht, den schönen Kostümen, den Ferias, etc. (Es gab in der Betischen Kordiller, in den Pro vinzen Malaga, Granada und Almeria gab es tat sächlich Räuber , Schmuggler und Piratenbanden. Es waren aber wohl nicht die stolzen Helden der Novellen, sondern eher verarmte, verlumpte Gestalten aus kleinen, hungernden Bergnestern) Die Romantiker des 19. Jh. suchen, ausserhalb des schon erschlossenen und industrialisierten Mitteleu ropas und Englands nach ursprünglichen Land schaften und wilden Menschen. Sie reisen durch Andalusien, suchen Abenteuer und finden sie auch nicht mehr, aber schreiben romantisch verklärt über das Zauberland am Rande Europas. Vor allem in England herrscht im Volke noch stark dieses Bild Andalusiens: Siesta, Fiesta, Flamenco, Zigeuner, Feria, reiche Pferdezüchter, Räuberbanden, etc. Aber kaum ein anderes europäisches Volk will der Mitteleuropäer so viel wissen über das besonders exotische Verhalten der stolzen und schönen Südspanier mit ihrer richtigen Portion arabischen Blutes (die Mandelaugenl ... und die Frauen erst von Cordoba). Dieses romantisch verklärte, zu 90% falsche Bild hält sich hartnäckig und wird von den Reisebüros und der spanischen Fremdenverkehrs zentrale noch weiter gepflegt. Aufgrund der beson deren klimatischen Verhältnisse begann schon im frühen 19. Jh. ein gewisser T. der reicheren Bürger familien nach Huelva und Malaga. Es war aber vorwiegend Tourismus im Sinne einer Flucht vor dem kalt feuchten Klima in Mitteleuropa während des Winters, nicht in den heissen Sommermonaten. Die beiden ersten Hotels von Marbella, dem mon dänen Ort in der Nähe des internationalen Flugha fens Malaga, stammen aus den dreissiger Jahren. Sie wurden dann allerdings, kaum eröffnet, von Weltwirtschaftskrise und Bürgerkrieg hart getroffen. Interessant ist, dass in diesen Schilderungen Anda lusiens die grösste Bevölkerungsschicht, der verarmte Landarbeiter kaum je erwähnt wird, obwohl ihre Probleme der Arbeitslosigkeit und der Unterbeschäftigung sehr alt sind. Die Grossgrundbesitzungen bestehen seit der Rö merzeit und sind seit der Reconquista in den gleichen Händen von Adelsgeschlechtern.

Die Entstehung

Der T. ist überhaupt nicht autochthon, sondern ein koloniales Anhängsel einer Entwicklung bei uns. Die Entwicklung des Badetourismus an der Riviera und an der Costa Brava lässt sich noch recht gut mit der Nähe zum mitteleuropäischen Markt erklä ren, an der Costa del Sol oder an der Costa de la Luz ist dies schon schwieriger. Die Verhältnisse, die zum explosionsartigen Wachstum beitrugen, sind sehr komplex:

- Das oben erwähnte Bild Andalusiens in Mittel europa und England ? die gewisse Berühmtheit, die Malaga und Huelva schon im 19. Jh. ge nossen. ? die Nähe des Flughafens von Malaga im Falle der Costa del Sol ? das wenig genutzte Hügel? und Küstengelände mit Sicht auf die See und günstigen Landpreisen und grosse, verfügbare Grundstücke von den reichen ab sentee landlords
- Die Nachfrage, die anfänglich eher über das Angebot hinausgingen und den ersten Investo ren sagenhafte Gewinne einbrachten,
- Verfügbares Kapital und Risikobereitschaft von deutschen, skandinavischen und französischen Personen und Firmen ? einige wenige Spanier aus Madrid und dem Norden, die die Zeichen der Zeit auch erkannten. Dann auch die Initial zündung durch vertriebene Franzosen aus Al gerien nach dem verlorenen Algerienkrieg.

- Die Ausweitung des Badebetriebs auf eine zweite, weiter entfernte Zone von Orten bei ge wachsenem Wohlstand und grösserer Zahl von Reisenden ? noch keine Konkurrenz von neue ren Orten, wie Marokko, Tunesien, Israel, Zy pern, Südgriechenland.
Der unglaubliche Boom, den die Costa del Sol er lebte, verlief auf rein privatwirtschaftlicher Basis, ohne langfristige Konzepte des Staates, was dann auch zu vielen Mängeln führte. Aber gerade die Freiheit, die durch die Konzeptlosigkeit entstand, lockte viele Investoren an, die irgendwo Land kau fen konnten und beliebige Bauten aufstellen konn ten mit den billigen Arbeitskräften aus den ländli chen Taglöhnerschicht ohne geregeltes Einkom men.

Gesellschaftliche Implikationen

Der Tourismus überollte einheimische Bevölkerung und staatliche Stellen. Die Infrastruktur genügte schon bald überhaupt nicht mehr, die Strassen waren zu eng und wenig unterhalten, die Wasser vesorgung brach zeitweise zusammen. Die Einhei mischen konnten sich, sofern sie nicht schon Land an der Küste besassen, Mieten und Bodenpreise nicht mehr leisten. Die aus den umliegenden Pro vinzen an die Costa del Sol (ursprünglich costa malagüense) wanderten, einfachen Hilfskräfte wohnten in bescheidensten Unterkünften in den tief eingeschnittenen Tälern, die aus den Bergen an die Küste führten. Nur dort waren in alten Häusern oder billig errichteten Apartments noch erschwingliche Mieten vorhanden. Wer aber Glück hatte und ein Haus im Dorf oder Land an der Küste besass, wur de über Nacht vermöglich.

Andalusien ist ein traditionell armes Auswande rungsland mit grossem Anteil Taglöhner und Grossgrundbesitz. Zur Zeit der Tourismusentwick lung waren Frankreich, Deutschland und die Schweiz die bevorzugten Zielgebiete. 1968/69 gab es, verursacht durch eine erste kleine Wirtschafts krise innerhalb des Nachkriegsbooms, einen Stopp der Auswanderung, dann aber nochmals einige Jahre der Auswanderung bis zur Krise von 1974 bis 79. Bis ca. 1975 war die Auswanderung nach Mit teleuropa immer bedeutender als die Binnenmigra tion an die Küste. Auch waren die Stellen in Mittel europa wegen der deutlich höheren Löhne begehr ter als im Tourismus. Ab ca. 1965 ist die Abwande rung aus der Provinz Málaga so klein geworden, dass wieder ein leichtes Wachstum der Gesamtbe völkerung einsetzt. Die Binnenwanderung an die Küste dominiert nun eindeutig, seit die Abnehmer länder für Gastarbeiter ihre Grenzen schlossen. Auch heute ist bei der grossen Arbeitslosigkeit in den meisten EU Ländern eine Auswanderung kaum möglich. So wurde die Küste zum Hautziel der Migrationsströme.

Der Tourismus ins Landesinnere brachte nur be scheidenes Wachstum. Sevilla, Cordoba, Granada konnten nur sehr beschränkt neue Arbeitskräfte absorbieren. Bis heute blieben die Versuche, den Tourismus flächenhaft zu verteilen, aussichtslos. Es werden zwar immer mehr Rundreisen angeboten und die Touristen der Küste unternehmen manch mal auch einen Ausflug ins Landesinnere,aber dies sind minimale Ströme im Vergleich zum Fluss an die Küste. Der Tourismus hat wohl auch zusam men mit dem Einfluss der zurückkehrenden Gast arbeitern bei der Modernisierung der spanischen Gesellschaft mitgeholfen. Nach der Befreiuung von der Franco Diktatur erfolgte, wie schon erwähnt, eine unglaublich rascher Wandel der Gesellschaft. Dabei haben wahrscheinlich die Touristen mit einer gewissen Vorbildfunktion mitgeholfen. Die Spanier waren nicht mehr, wie bis Mitte der fünfziger Jahre, von Mitteleuropa abgeschirmt. Die Demokratisie rung der Gesellschaft, der Einbezug der Frau in Wirtschaft und Politik und die modernere Auffas sung von Familie, Partnerschaft und sexuellen Be ziehungen gingen unglaublich rasch vonstatten.

Heutige Ausprägung des Tourismus

Entwicklung zum heutigen Stand

In Katalonien, entlang der Costa brava, entwickelte sich in Konkurrenz zu Italien der Billigsttourismus für den rasch wachsenden unteren Mittelstand von Frankreich, England, Deutschland, Holland und der Schweiz. Es entstanden billige Hotels, Camping plätze und Apartmenthäuser unterer Kategorie. So entstanden Orte wie Lloret del Mar oder Tarragona. Da der Charakter des Tourismus sich in den sech ziger und siebziger Jahren herauskristallisierte, entwickelte sich an der Costa del Sol zuerst teure rer Tourismus mit vielen Hotels mit vier und 5 Ster nen. Marbella wurde zuerst zu einem Treff der Prominenten. Bis heute ist die Costa del Sol auch ein beliebtes Investitions und Treffgebiet der Öl scheichs und der Filmstars. Erst als die Flugpreise massiv sanken, entwickelte sich in unmittelbarer Nähe des Flughafens einer der grössten Touris musorte der Welt: Torremolinos mit über 150'000 Fremdenbetten, aber einer Winterbevölkerung von ungefähr 25'000. Erst in den achziger und neunzi ger Jahren breitete sich der Tourismus dann auch entlang der neuerdings "Costa tropica" genannten Küste Richtung Almeria aus und in kleinem Masse auch an die Atlantikküste bei Huelva.

Ausmass

Nach Bürgerkrieg und zweitem Weltkrieg war Anda lusien eine Entwicklungsregion, arm und rückstän dig. 50% arbeiteten in der Landwirtschaft, meist als temporär beschäftigte Landarbeiter. Im Norden brachte die Industrie einen relativen Wohlstand, in Andalusien war die Bevölkerung verarmt. Die vor handene, bescheidene Industrie war fast aus schliesslich auf die Landwirtschaft ausgerichtet:

Landmaschinenbau und reparatur, Getreide und Futtermühlen, Olivenölmühlen, Mühlen mit Backwa renherstellung, Weinkeltereien (Jerez, Motrilla), Wurst und Fleischfabriken.

Der Tourismus brachte die Wende. Heute ist die andalusische Wirtschaft völlig vom Tourismus ab hängig. 19 Millionen der 45 Millionen, die 1998 nach Spanien einreisten, gingen nach Andalusien. 17,5% der Bevölkerung und 37% der Touristen, also eindeutigdie wichtigste Touristenregion Spa niens. Von 1987 bis 1997 hat die Zahl der Frem denbetten von 187'000 auf 313'000 zugenommen, also um zwei Drittel zugelegt. Mit 45% ist auch der Anteil der Hotelbetten an der Gesamtzahl hoch, was eine grosse Wertschöpfung vermuten lässt.

Wertschöpfung der Sektoren 1998 in Prozenten:

Landwirtschaft 5
Industrie 20
Bau 13
Dienstleistung 62
davon Tourismus 46
davon übrige 54

Wenn wir noch berücksichtigen, dass die lokale Kleinlandwirtschaft durch den Absatz an die Touris ten einen neuen Aufschwung erlebte und viele Bauvorhaben nur wegen des Tourismus ausgeführt werden, erhöht sich die Bedeutung noch.

Das Clichée hält: Mijas

"Our select villas are located in and around the historic hillside village of Mijas on the Costa del Sol.
With year round sun and many championship golf courses it is the perfect destination for your family and golfing holiday. The less energetic can simply relax and enjoy the rich culture, beaches, bars, restaurants and atmosphere of this special place.
The village of Mijas is perched high above Fuengi rola & Mijas Costa and is surrounded by heavily wooded mountains. With its narrow cobbled streets, stunning views and Spanish hospitality you will never want to leave." http://www.mijas villas.com/

Mijas liegt auf einer Bergspitze die von Pinienbäu men umgeben ist und direkten Blick auf das Mittel meer ermöglicht. Es ist 8 Km von der Küste entfernt und liegt 428 m über dem Meerespiegel. Mijas hat eine große Geschichte und Kultur und hat sich das Image eines traditionellen andalusischen Dorfes bewahrt. http://www.casamarbella.es/german/about_marbella/Costa_del_Sol/Cities_on_the_Coast/Ojen/Casares/Mijas/mijas.htm

Mijas itself is a small village in the hills over looking Fuengirola. One of the finest examples of the "white villages" it is still has much of its charm with its little whitewashed houses perched on the hill side. Its narrow streets are restricted to pedestri ans and donkeys (who act as taxis). Mijas has the country's only square bullring (it's also small) and some interesting churches & other monuments giving insight to its past: Roman, Moorish and Spanish. The journey along the old road between Mijas and Benalmadena, among the pines and little chalets that mark the route, is like a continuous balcony which overlooks the sea. http://www.malagaweb.com/mijas.htm

Mijas liegt ca.8km von Fuengirola entfernt oben in den Bergen, mit einem sensationellen Blick auf die Küste. Über Mijas thront die Kapelle des Calvario, die nachts von starken Scheinwerfern angestrahlt wird, und man den Eindruck hat, daß die Kappelle im Himmel schwebt.

Im neuen Ayuntamiento bekommen Sie Hilfe und Informationen. Hier hält man auch Broschüren zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgegend bereit.

Die wunderschönen Gassen von Mijas sind einen Spaziergang wert. Gerade auch nachts ist Mijas ein unvergessliches Erlebnis und planen Sie den Be such möglichst so, daß Sie von hier oben noch den Sonnenuntergang und die nahende Nacht mitneh men. http://costa del sol.net/d/spanieninfo/mijas.htm

Andalusien: Schon der Name zergeht auf der Zunge. Ein Land voller kunsthistorischer Sehens würdigkeiten in faszinierender Vielfalt. Moslems, Christen und Juden erschufen im friedlichen Zu sammenleben prächtige KalifenMoscheen, künstle risch einmalige Burgen wie die Alhambra in Grana da und märchenhafte Kirchenpaläste.

An der über 600 km langen Küste Andalusiens gibt es 326 wolkenlose Tage im Jahr, die ihr zu Recht den Namen "Costa del Sol" verliehen haben. Land einwärts breiten sich unglaublich schöne Bergland schaften aus. Vorbei an Johannisbrotbäumen, Korkeichen und Feigenplantagen gelangt man zu den berühmten Weißen Dörfern, in deren engen Gassen und rund um die Plazas, die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Ein Spiegel andalusischer Lebensart ist der Fla menco lebensfroh, temperamentvoll, aber auch stolz und leidenschaftlich.

All' dies läßt diese Reise zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden! Entdecken Sie mit uns die Schön heit Andalusiens! http://reisebuero schroeder.de/sp_andalusien.htm

Gerade der Tourismus in Andalusien lebt noch heute stark von Clichée. Ein Clichée ist eine über kommene, veraltete, fest eingeprägte Idee eines Ortes, eines Landes, die schon längst nicht mehr stimmt. Doch davon lebt der Tourismus, da er ja immer ein bisschen entrückt ist. Viele Touristen suchen in den Ferien ja innere Bilder, Bilder auch der Vergangenheit, nach heiler Welt, die es nicht mehr gibt.

So hält sich auch das Clichée vom romantischen Bergdörfchen Mijas über der Costa del Sol. Einmal musste ich mit einer Reisegruppe in Marbella über nachten. So fuhren wir um die Zeit zu verbringen nach Mijas hinauf, das mir von meinem Agenten als unverdorbenes weisses Dörfchen hoch über dem Meer angepriesen wurde. An einem Hang in schöner Aussichtslage gelegen, findet man knapp zwischen den Feriendörfern und Hotel drin noch etwas von einem weiss gestrichenen, aufgemotzten alten Dorf, das aus Restaurants und Touristenläden mit billigsten Kitsch besteht. Von Ursprünglichkeit auch nicht das geringste zu sehen. Sehr hässlich das Ganze. Und doch, haben mir unterdessen schon verschiedentlich Leute den "Geheimtipp" gegeben, dass ich, wenn ich wiedermal nach Anda lusien komme, unbedingt das herrliche Dörfchen Mijas besuchen solle.