Geschichte

Zeittabelle

vor Christus

750'000 er ster Europäer ist Spanier? (Homo antecessor)
20'0008000Höhlenmalereien des Homo sapien sapiens
um 2000 steinzeitliche Dolmen, Zeichen
1000 Phöniker in Südspanien
ab 8.Jh. Griechische Kolonien, Osten
ab 7. Jh. Keltische Einwanderung
218 Beginn der römischen Eroberung (Gründung Italica)
19 Abschluss der römischen Eroberung

Nach Christus

1738 Kaiser Hadrian: Restitutor Hispaniae
380 Christentum Staatsreligion
5. Jh. Germanisch Völkerwanderung
411585 Suebisches Reich im Nordwesten
450711 Westgotenreich (Arianismus als Religion)
589 Katholizismus wird Staatsreligion
711 Roderich, der letzte Westgotenkönig, fällt im Kampf gegen die Araber; Eroberung des Südens bis Toledo
712 Musa kommt nach Algeciras und erobert ganzen Süden
713 Eroberung von ganz Spanien, bis auf kleine Resten
718725 Eroberungszüge der Araber bis Südfrankreich
732,738 Karl Martell schlägt die Moslem in Südfrankreich
741 Asturien entsteht
um 800 Christliche Könige wehren muslimische Angriffe ab und besiedeln nach und nach Kastilien
850 Asturien erreicht den Duero; in Andalusien werden die Christen verfolgt und fliehen z.T. nach Norden
910 Alfonso hat Asturien vergrössert. Königreich León entsteht. Ständige Kämpfe gegen Araber.
929 Abdal Rahman wird Kalif; Glanzzeit des Moslem in Spanien
9811002 AlMansur als Grosswesir führt erfolgreiche Schlachten bis nach Santiago
10091027 Kalifat zerfällt in kleine Königreiche
10351065 unter Fernando I. wächst León; arab. Fürsten werden tributpflichtig
1085 Alfonso erobert Toledo und kontrolliert die Verbindungen der Moslemreiche im Zentrum
1094 El Cid nimmt Valiencia ein
1145 Almoravidenreich zerfällt
1151 Christen teilen muslimische Gebiete auf, um Streit bei der Rückeroberung zu vermeiden
11481156 Almohaden etablieren sich in Andalusien
1230 Vereinigung KastilienLeón
1236 Christen erobern Córdoba
1246 Einnahme von Jaén, Granada wird Vasall von Kastilien
1248 Einnahme Sevilla und Beginn der Wiederbesiedlung von Niederandalusien
14741504 Isabella "die Katholische" von Kastilien
14791516 Fernando von Aragón
14831492 Abschluss der Reconquista mit Eroerung von Granada
1492 Critóbal Colón fährt nach Amerika
um 1500 Juden werden verfolgt und vertrieben
15161700 Monarchie des Hauses Habsburg; Kaisertum unter Karl V.(Carlo I.) ab 1517; Glanzzeit nach aussen; Beginn des inneren Zerfalls
1588 Niederlage der Armada gegen England
15801640 Portugal gehört zu Spanien
1609 Vertreibung der Moriscos
1648 Niederlande werden Unabhängig
17011714 Spanischer Erbfolgekrieg
17141868 Monarchie der Bourbonen
1808 Einmarsch der Franzosen; Volksaufstand in Madrid
1812 Liberale Verfassung
1814 Rückkehr Ferdinands VII.
18201823 amerikanische Kolonien werden unabhängig
18331839 1. Karlistenkrieg
18731874 2. Karlistenkrieg und 1. Republik
1874 Restauration der Bourbonen
1898 spanischamerikanischer Krieg und Verlust der letzten Kolonien
19191923 Marokkokrise
19231929 Diktatur von Primo de Riveras
19311936 2. Republik
1936 Oktoberaufstand scheitert
1936 Volksfrontregierung; Aufstand von Franco: Bürgerkrieg
19391975 Kriegsgewinn durch Franco und Diktatur unter Franco
1947 Nachfolgegesetz: Spanien wird wieder Monarchie
1955 Aufnahme in die UNO
1975 Juan Carlos wird nach Tod von Franco neuer König
1976 Adolfo Suarez wird Regierungschef: Demokratisierung und Regionalisierung
1981 Putsch konservativer Offiziere mit Tejero scheitert
1982 Sieg der Sozialisten, Felipe Gonzalez neuer Regierungschef

Geschichtlicher Überblick

Spanien war immer am Rande des europäischen Geschehens. Darum kann man den zwei Schritten auf Europa zu mit der NATO und EU einen hohen Stellenwert einräumen. Schon in grauer Vorzeit führte die Halbinsel ein eigenes Leben, was sich im Namen Hispania zeigt, der vermutlich von den Iberern als espan im Sinne von Rand, Saum gebraucht wurde. Kelten und Iberer wanderte vermutlich um 800 v.CH. miteinander ein und bildeten den Kern der Urbevölkerung. Doch zeugen die Knochenfunde von Atapuerca (vor 750'000 Jahren) und die Höhlenmalereien von Altamira (40'000 bis 20'000) im Norden und Pileta im Süden von frühesten Niederlassungen des Homo sapiens sapiens. Auch die Dolmen und die Steinzeichen entlang des Pilgerweges nach Santiago deuten auf eine frühe Besiedlung hin. Zeichen des Menschen finden wir damit seit 40'000 v.Ch. Aus den Anfängen der geschichtlichen Überlieferung wissen wir sehr wenig. Vor allem blieben uns die Niederschriften der Römer erhalten, die vom hartnäckigen Widerstand der Ureinwohner erzählten. Die Keltiberer hatten zonenweise ein recht hohes Kulturniveau erreicht und imposante Stadtanlagen gebaut. Noch heute sind die Steinblöcke an den Fundamenten verschiedener Stadtmauern zu sehen, die von den Iberern zugehauen worden waren. Zwei Städte wehrten sich jahrelang gegen die römische Übermacht: Numantia und Tiermes in der Provinz Soria. Allerdings wurde der Süden bald nach den ersten Eroberungen im Jahre 218 v.Ch. romanisiert. Spanien wurde zur wichtigsten Kolonie Roms, dem ersten eroberten Land und dem letzten, das der Völkerwanderung zum Opfer fiel. Wichtig waren dabei die Rohstoffe, die für damalige Begriffe in Spanien sehr zahlreich waren. Für ihre Wasserleitungen interessierten sich die Römer für Blei in Südspanien. Aber auch Quecksilber im Südwesten (später berühmte Minen von Rio Tinto), Silber, Gold und Eisen waren schon von den Phöniziern und den Iberern bekannt. Vor allem von der Provinz Huelva ganz im Südwesten entlang der Sierra Morena entstanden viele Minen, die ihren Höhepunkt im 19. Jh. durch ausländische Firmen hatten. Heute sind nur noch wenige in Betrieb.

Nach 600 Jahren römischem Einfluss etabliert sich das Westgotenreich, das aber auf der römischen Infrastruktur aufbaut. So bleiben die Völker Hispaniens bis 711 unter direktem oder indirektem Einfluss des römischen Kulturkreises. Kein anderes Gebiet ausserhalb der Apenninhalbinsel hat gleich viel Römisches mitbekommen. Darum ist Spanien heute mit seiner Sprache fast noch lateinischer als Italien. Auch die forschenden Augen des interessierten Touristen finden überall die Spuren der grossen Blütezeit der Iberischen Halbinsel. Das ganze Strassennetz erhielt im Mittelalter kaum Zuwachs, ausser dem Pilgerweg nach Santiago (10. und 11.Jh.). So verlaufen auch heute noch die meisten Hauptstrassen auf den Fundamenten der Römer, und wir finden auf Schritt und Tritt römische Brücken und Strassenstücke, selbst im entlegensten Norden. Ganz bestimmt erhielt die Landwirtschaft einen entscheidenden Impuls mit dem Aufbau eines geplanten Bewässerungsnetzes, erinnern wir uns nur an den Auqädukt von Segovia, der heute noch in Betrieb ist. Zu Beginn lebten die Römer in getrennten Siedlungen und hoben sich durch die höhere materielle Kultur deutlich von den Iberern ab, wie das verschiedene Ausgrabungen, vor allem in Italica bei Sevilla und in Merida zeigen. Doch mehr und mehr mischen sich die Völker, und die römischen Städte werden zu eigentlichen Innovationszentren, von denen sich die Errungenschaften im ganzen Land verteilen, am wenigsten wohl im Norden, hauptsächlich bei den Basken. Recht, Verwaltung, Sprache, Stadtkultur und schon 100 das Christentum römischer Prägung durchdringen die Kultur des Volkes, so dass die Bewohner aus gutem Grund das römische Bürgerrecht erhalten und zu einer ganz entscheidenden Stütze des Gesamtreiches werden. Die pax romana führte zu einer Blüte, die wohl bis in die Neuzeit nie mehr erreicht wurde. Der Zerfall des Reiches lässt auch in Spanien fremde Völker eindringen, wie Vandalen, Sueben und Alanen, die aber bald von den nachfolgenden Westgoten verdrängt werden.

Ab 415 errichten die Westgoten das Nachfolgereich. Sie verstehen sich als die Erben Roms. Doch bis zum Konzil von Toledo von 589 vertreten die Westgoten noch den Arianismus, eine Härersie, die sie aus dem östlichen Europa mitbringen. Dies erweitert die Kluft zwischen Eroberern und Ansässigen, die bereits fest mit dem Katholizismus verbunden sind. Über Jahrzehnte zieht sich die geistige Auseinandersetzung hin. In kirchlichen Kreisen herrscht heute die Meinung vor, dass die Abwehr des Arianismus in Spanien die gesamte römische Kirche wesentlich mitgeprägt habe. Auf einen einfachen Nenner gebracht, behaupteten die germanischen Stämme, in Anlehnung an die Byzantiner, der Sohn sei dem Vater nur ähnlich und nicht wesensgleich. Fast etsteht ein Tritheismus, in dem für Jesus eine neue, inferiore Stellung gesucht werden muss. Entscheidend hat in der Abwehr die westgotische Liturtgie das Abendland mitgeprägt, da nun die Göttlichkeit Jesu übermässig betont werden musste. Dies trägt dazu bei, dass der Sohn zum Teil die Stellung des Vaters einnimmt und so der volkstümlichen Bitstellung entweicht und zum Weltenrichter wird. Als Ersatzobjekt für die Volksfrömmigkeit dienen dann die Heiligen, die in Spanien bis in die jüngste Zeit in sehr grosser Zahl verehrt werden. Durch das Akzeptieren des Katholizismus wird zwar die Kluft zwischen regierenden Westgoten und romanisierten Volksmassen kleiner, aber eine Vermischung findet nie richtig statt. Bis heute bildet die Zusammenfassung von gotischem und römischem Recht die Grundlage der Rechtsprechung in Spanien. Vor allem im späteren Königreich León wird dieses Recht weitergeführt, verliert dann allerdings unter den mitteleuropäischen Einflüssen über Kastilien an Boden.

Verhängnisvoll wirkt sich für die Westgoten aus, dass sie nie wirklich im Volk Fuss fassen und auch die Nachfolge des Königs nie regeln konnten. Zudem blieben sie ihrer Stammes und Familienzugehörigkeit treu und bekämpften sich häufig gegenseitig, so eben auch zu der Zeit, als von Süden die islamische Gefahr drohte. Im Kampf um die Thronfolge riefen denn auch die Söhne des Königs Witiza die Araber aus Nordafrika zu Hilfe.

Es erscheint rätselhaft, wie die Araber in nur drei Jahren die ganze Halbinsel erobern konnten. Doch müssen wir dabei berücksichtigen, dass die Westgoten aus innerer Zerstrittenheit kaum Widerstand leisteten und die Eroberung ein Vordringen entlang der Römerstrassen bedeutete, wo man zwangsläufig auch gleich auf die wichtigsten Zentren stiess. Die abgelegenen, dünn besiedelten ländlichen Regionen blieben vorerst fast unberührt. Im ersten Ansturm kamen die Araber gar bis nach Südfrankreich, wo sie aber732 von Karl Martell geschlagen wurden. Schon bald entstanden aus ersten Keimzellen in den Bergen des Nordens, den Pyrenäen und dem Kantabrischen Gebirge, die künftigen christlichen Königreiche Asturien, Navarra, Aragón und die Grafschaft Barcelona. Die Araber überliessen die nördlichen, unsicheren Zonen den verbündeten Berbern, die sich aber aus vielen Zonen nach wenigen Jahren oder Jahrzehnten wieder zurückzogen. Die Gebiete waren gebirgig und wenig fruchtbar. Zudem wohnten wenig Christen in den zugänglichen Regionen, von deren Tribut die Berber hätten leben können. Dazu kamen die ständigen, kleinen Übergriffe der Reste der westgotischen Krieger, die sich in den Bergen aufhielten. 741 verliessen die Berber die nördlichen Gebiete und die Christen konnten sich bis in die nordkastilischen Ebenen vorwagen. Zwischen Christen und Moslems entstand nun für Jahrhunderte eine Grenzzone, die zuerst in den nordkastilischen Ebenen lag und sich dann allmählich nach Süden verschob. Es war nicht eine scharfe Grenze, sondern der breite Saum eines Niemandslandes, das höchsten von einzelnen, schwer befestigten Städten oder von abgelegenen Bauernhöfen durchsetzt war. Noch heute sind diese Gebiete unterdurchschnittlich besiedelt, und in Andalusien sind die Grenzdörfer mit dem Zusatz "de la frontera" versehen und liegen als wehrhafte Bergdörfer in einem nahezu leeren Umland.

Aus der Zeit der ersten Grenzzone am Duero stammt die Reihe der Städte, wie Covarrubias, Arande de Duero, Valladolid, Zamora etc. Die Anfänge der Reconquista, der Rückeroberung durch die Christen, waren zaghaft, und mancher Rückschlag musste hingenommen werden. Als im 9. und 10. Jahrhundert das Kalifat die Stärke erreicht hatte, um die Christen zu bekämpfen, waren die Königreiche des Nordens auch soweit erstarkt, um den Angriffen Widerstand entgegenzustellen. An erster Stelle unter den christlichen Königreichen stand Asturien, aus dem dann León hervorging. Als 1030 die Einheit des Kalifats zerfiell und viele kleine Fürstentümer entstanden, nutzten die Christen die Chance und eroberten grosse Gebiete, vorab im Zentrum der Halbinsel. Die Eroberung von Toledo im Jahre 1086 bildete den Höhepunkt dieser Eroberungswelle. Allerdings blieb das christliche Toledo lange Zeit ein gefährdeter Vorposten, umgeben von muslimischem Hoheitsgebiet. Die Vereinigung von Katalonien und Aragón 1163 und von León und Kastilien1230 ermöglicht die Eroberung des grössten Teiles von Andalusien. Córdoba fällt 1236 und Sevilla 1246. Das Königreich Granada bleibt weitere 250 Jahre erhalten, und zwar als Vasall Kastiliens. Zum letzten Angriff sind Aragón und Kastilien unter den katholischen Königen, Ferdinand und Isabell, vereinigt.

Wie gross der Einfluss der Araber wirklich war, wird immer eine Streitfrage bleiben. Vermutlich war die Abwehr des fremden Elementes wichtiger als der direkte Einfluss. Ausserordentlich wichtig war für das gesamte Abendland die enge Verzahnung von Morgen und Abendland auf der Iberischen Halbinsel. Damit konnten die wissenschaftlichen und philosophischen Kenntnisse des Altertums, die bei uns teilweise verlorengegangen waren, wieder einfliessen.

Die Sprache bietet einen guten Ansatz, um dem Problem näher zu kommen. Ihre Struktur blieb rein lateinisch, während viele arabische Wörter eindrangen und sich bis heute hielten, und zwar vor allem aus Fachbereichen, in denen die Araber überlegen waren, wie z.B. in der Landwirtschaft, im Zoll und Handelswesen und in verschiedenen Bereichen des Hausbaus und des Wohnens. Normalerweise sind diese Wörter an der Anfangssilbe "al" oder "el" erkenntlich, dem arabischen Artikel. Da Juden und Araber um 1500, resp. um 1600 vertrieben wurden, nahm der Einfluss rasch ab, und die katholische Kirche bemühte sich, alle sichtbaren Überbleibsel zu entfernen. Die vielen maurischen Baudenkmäler im Süden täuschen darüber hinweg, dass die Jahrhunderte danach eine nachhaltige Katholisierung des Landes brachten, gerade auch mit der Inquisition, so dass noch heute keine andere Religion in nennenswertem Umfang vertreten ist, obgleich die Kirche offiziell vom Staat getrennt ist. Verheerend wirkte sich die Vertreibung von Mauren und Juden auf die Wirtschaft des Landes aus, waren doch die Nachkommen der Araber gute Handwerker und lag das Finanzwesen in den Händen der Juden. Da zur gleichen Zeit das Gold aus Übersee floss und die Adligen dort Besitzungen angeboten erhielten, verkümmerte die Binnenwirtschaft.

Da Kolumbus noch im letzten Jahr der Reconquista seinen Weg nach Westindien antritt, bildet die conquista der Neuen Welt einen kontinuierlichen Übergang aus der Reconquista heraus. Die unzähligen Abenteurer und niedrigen Adligen (hidalgos) können bequem in Übersee für die Krone eingesetzt werden, ohne dass sie in ihrer grossen Zahl der Krone gefährlich werden könnten. Langfristig hat Spanien nicht von den Kolonien profitiert. Anders als bei den späteren Kolonialmächten war in Spanien kein Handwerk und später auch keine Industrie vorhanden, die die neuen Territorien als Absatzmarkt hätte ausbauen können. Das Gold Südamerikas überschwemmte den europäischen Markt und zwang die Spanier nicht dazu, selbst Handwerkserzeugnisse herzustellen, da man sie im übrigen Europa einkaufen konnte. Die spanische Lebensart trieb absonderliche Blüten. Noch um 1700 zählte der spanische Adel 625 000 Personen bei vielleicht 2 mio. arbeitenden Bauern! In einer Zeit des Aufbruchs und der Aufklärung in Mitteleuropa schloss der spanische Adel die Grenzen für die Botschaften der Freiheit und wenige Adelsgeschlechter bereicherten sich auf unglaubliche Weise, so dass heute noch Grossgrundbesitzungen von einigen Zehn bis Hunderttausend Hektaren vorkommen und der Herzog von Medinacelli 600 Knechte hatte. Der ökonomische Niedergang wurde zur Blütezeit des Klerus. Im 16. Jahrhundert gibt es in Spanien über 9000 Klöster und noch 1824 zählte man 150 000 Priester, 1930 immer noch 130 000. Vereinfachend könnte man sagen, alle schmarotzten und niemand wollte arbeiten.

Zur gleichen Zeit verwickelte sich die Krone in die Politik Mitteleuropas, und so verpufften die Kräfte in anderen Gebieten und hinterliessen schliesslich zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein verarmtes und zurückgebliebenes Mutterland ohne Ansätze von Industrie und begleitendem Tertiärsektor, ausser im eruopäischeren Katalonien. Im Gegenteil, im Land entstanden Strukturen, die an ein Entwicklungsland erinnern. Die reichlich vorhandenen Rohstoffe werden von ausländischen Firmen abgebaut und erst im Ausland zu wertvollen Endprodukten verarbeitet, wie im Fall der Minen von Río Tinto oder der Eisen und Kohlevorkommen in Asturien und im Baskenland. Somit blieben auch Reichtum und Macht in den Händen der alten Adelsgeschlechter mit ihrem unermesslichen Grossgrundbesitz, die bis heute mit ihrer konservativen Haltung zusätzlich eine Modernisierung verlangsamen.

Das reichhaltige Kulturschaffen dieser Jahrhunderte nach 1500 täuscht über die wirtschaftliche Verarmung hinweg, Adelshäuser und Klerus erleben im wörtlichen Sinne goldene Zeiten; sie verhelfen den Künstlern zu grossartigen Aufträgen und errichten unzählige Sakral und Profanbauten. Vor allem das 17. Jahrhundert bringt eine grosse Zahl bekannter Künstler hervor, die auch entsprechende Aufträge erhalten.

Der Übergang in unsere Zeit verläuft für Spanien unglücklich. Die Krone versucht, ihren Zentralismus gegenüber den Kolonien aufrechtzuerhalten, ist aber wegen innerer Wirren nicht fähig, sich in Lateinamerika durchzusetzen. So gehen zwischen 1800 und 1900 alle amerikanischen Territorien verloren. Die Wirren des 19. Jahrhundert mit dem Hin und Her zwischen fortschrittlicher Republik und konservativer Monarchie führen letztlich zum Bürgerkrieg von 1936 bis 1939. Unter dem Diktator Francisco Franco Bahamonde (el caudillo) setzt sich das konservativnationalistische Element durch, getragen von der Einheitspartei der Phalange. Der Bürgerkrieg fordert unzählige Opfer und teilt das Land in zwei Parteien, wobei sich die Grenzen mitten durch die Dörfer ziehen. Bis heute sind noch nicht alle Wunden dieser Zeit vernarbt, schwelen noch Fehden zwischen Familien.

Auch nach dem Tod Francos kann sich 1976 die Demokratie noch nicht so recht durchsetzen, entspricht die erste Regierung der "Union del Centro Democratico" nicht unbedingt dem Volkswillen, da die meisten führenden Ämter aus den Reihen der Phalange besetzt werden. Doch war die Übergangszeit einer halbdemokratischen Ordnung wahrscheinlich nötig, damit sich in der sozialdemokratischen Opposition ein Führungskader formieren konnte und für die konservativen Kräfte unter den wirtschaftlich Mächtigen und den ergrauten Offizieren der Demokratieschock nicht allzu gross wurde. Der Putsch der ewig gestrigen Offiziere unter der Leitung des Obersten der "Guardia Civil", Tejero, im Jahre 1981 zeigte doch, wie lange noch eine reale Gefahr für die Demokratie bestand.

Die neuen Parlamentswahlen von 1982 brachten den endgültigen Wandel. Eine wohl strukturierte, gemässigte sozialistische Partei übernahm unter dem charismatischen Führer Felipe Gonzalez die Regierung. In der ganzen, vorsichtig durchgeführten Demokratisierung spielt der durch ein Dekret Francos eingesetzte Bourbonenkönig Juan Carlos eine ganz wichtige Rolle als Mittler zwischen Demokratie und altem Kader. Beim Putsch von Tejero waren vermutlich einige hohen Offiziere bereit, die Diktatur wieder einzuführen und nur der König, der sie persönlich anrief und von ihnen die Treue zur demokratischen Verfassung bestätigt haben wollte, rettete die Demokratie.  

Episoden

Westgoten, Mozaraber

Geschichte

- Westgoten dringen im 4. Jahrhundert ins römische Imperium ein. Zeitweise gegen Rom, zeitweise wieder Verbündete Roms. Damit auch bis in spätere Zeit Betonung der Eigenständigkeit aber auch wiederum Auftreten als Hüter des römischen Erbes.
- Kern des ersten westgotischen Reiches liegt in Südfrankreich und Expansion nach Spanien erst 2. Hälfte 5. Jahrhundert. Und erst im 6. Jahrhundert wird Gibraltar erreicht. Teilweise musste auch Widerstand überwunden werden.
- Vorhanden ist eine durch und durch romanisierte Bevölkerung mit römischkatholischer Religion.
- Westgoten selber sind aber stark mit orthodoxbyzantinischer Kirche und Kultur verbunden. Von dort kommt auch die arianische Idee.
- In Spanien werden sie im Laufe der Zeit aber romanisiert. Aber Arianismus hält sich lange und unterscheidet adlige Oberschicht vom Volk und führt auch dazu, dass keine volksverbundene Herrschaft entsteht.
- Hauptstadt Toledo
- Lange Widerstand gegen römische Mehrheit. Katholische und germanische Bischöfe standen sich lange feindlich gegenüber Gegensätze
- Adlige Minderheit etwa 1:50 oder gar 1:100 gegenüber der anderen Bevölkerung. Heirat von Westgoten mit Spaniern war verboten. Unterscheiden sich auch grösstenteils in ihrem Aussehen: blond mit Bärten, gross.
- Allmählich aber verschmolz doch ein Teil mit dem vorhandenen römischen Erbe; ein weiterer Schritt zur echten Spanischen Kultur
- 589 entschied der westgotische König, den römischkatholischen Glauben anzunehmen. Eigentlich zu spät. Die Kluft zwischen Adel und Volk war schon zu gross geworden.
- Allmählich nun verschmelzen einzelne Teile des germanischen Elementes mit dem Iberorömischen.
- Die Westgoten fühlten sich als Wahrer des römischen Erbes und lebten in grossem Prunk. Häufig aber auch billiges Plagiat. Toledo als neues Rom mit eigenen Konzilien.

Staatsaufbau und Wirtschaft unter den Westgoten

- Die Westgoten verdrängten die Barbaren, die zuerst das Vakuum füllten, das die Römer hinterlassen hatten. In Gallien wurden sie von den Franken bedrängt, so dass sie sich immer mehr nach Hispanien verlagerten.
- Betonten sehr stark ihre edle, germanische Herkunft (z.B. immer mit Vollbart).
- Westgotenreich ist typisches Produkt seiner Zeit:
- Der König, der mit mehr oder weniger abhängigen Fürsten regiert.
- Je nach Mächtigkeit der Fürsten muss der König sie fürchten. Seine Macht ist nur relativ. Die Fürsten leben von den Einkünften des Grundbesitzes.
- Es gibt freie Bauern und Sklaven. Sie unterstehen der Gerichtsbarkeit des Landesherren
- Ständig Nachfolgeprobleme des Königs. König von Gottes Gnaden. Jeder König erlässt Kodex, der die Rechtssprechung festlegt. Zum Teil sind sie von König zu König ziemlich verschieden und häufig werden sie nicht durchgesetzt. Sie sammeln sich an, ohne dass vorausgehende für ungültig erklärt werden.
- Die Basis des Kodex ist weitgehend römisch, aber ein germanischer Anklang ist durchaus vorhanden. z.B.. Landesverrat als Verbrechen und absolute Treue der Majestät gegenüber. Besonderes Familienrecht, das der Sippe recht grosse Rechte und Freiheiten sichert. Römisches Recht auf Personen bezogen. Urtümliche Form der Dorfdemokratie
- Das westgotische Reich ist immer eine recht wacklige Angelegenheit, weil grosses Gebiet, von einer kleinen, herrschende Schicht regiert wird, die wenig im Volk verwurzelt ist. Das Nachfolgeproblem konnte nie gelöst werden.

Wirtschaft:

Die Basis für die ganze Wirtschaft und Gesellschaftsordnung bildet die Römerzeit. Der heilige Isidor schildert die Gesellschaft im 7. Jahrhundert als immer noch recht reich und wohl organisiert. Jedoch ist die Landschaft Andalusiens nicht mehr so fruchtbar, wie zur Römerzeit. Ein allmählicher Zerfall wird sichtbar.
Ebenfalls macht sich das germanische Element bemerkbar im Zerfall der städtischen Kultur und dem Aufkommen eines reichen Landadels. Damit verlieren die Handelszentren, die gemeinsame kulturelle Basis und die Verkehrswege an Bedeutung. Es findet also eine gewisse Regionalisierung und Reruralisierung statt. Die Strassen werden nicht weiter ausgebaut und zerfallen zum Teil.

Kultur und Kunst der Westgoten

Toledo, die Hauptstadt musste prunkvoll gewesen sein. Aber westgotischmorzarabische Relikte sucht man fast vergebens. Araber und später die Kirche unter der cluniazensischen Reform haben das meiste zerstört. Also müssen wir weit im Land herum suchen, um Bauten aus dieser Zeit zu finden.
- San Lucas, z.T. westgotisch oder mozarabisch
- Melque als Übergangsform zum mozarabischen. Rohform der Statik, protoromanisch oder mozarabisch? Tonnengewölbe, Hufeisen, Kreuzgrundriss und düster, mystisch Märtyrerkirche? èumstrittene Ansicht

Definition: Mozaraber als Wort entstand erst im 12. Jh., als die Erscheinung an sich schon fast vorüber war. Muztarabes, Muzárabes, heute mózarabes.
Einfache Definition: Christen, die zwischen 711 und 1493 in Spanien unter islamischarabischer Herrschaft lebten. Haben Araber oder Christen das Wort geprägt? Wahrscheinlich andere Christen, die sie die Arabisierten nannten.

- Inhaltliche Festlegung und kulturelle Zuordnung nicht so einfach
- Alte christliche Gemeinschaft. Kulturell noch die Adaption des römischen durch keltiberisches Volk und weitere Einflüsse durch die Westgoten.
- Noch viele Anklänge an die alte, westgotische Kirche mit ihrer Unabhängigkeit von Rom
- Verlockung der überlegenen, arabischen Kultur. Anfänglich sind die Araber sehr tolerant, also auch verführerisch. Folglich findet eine starke Arabisierung statt, bei vielen hin bis zum Islam. Aber auch die Christen sprechen arabisch und kleiden sich arabisch.
- Islamisierte Christen sind dann die muladíes. Zum Teil treffen wir auch Christen in hohen Ämtern.
- Mozaraber tragen arabische Kleider und sprechen zwei bis drei Sprachen: Romanze, Arabisch und ev. Latein.
- Von den anderen Christen sind sie zuerst isoliert und werden nachher wenig verstanden. Man behandelt sie wie eine andere Religion. Aber das mozarabische Christentum ist absolut katholisch und keineswegs mehr die Häresie der Arianer, erinnert aber die römischkatholischen Gelehrten ein wenig daran und auch an die Unabhängigkeit der westgotischen Bischöfe. Also von Rom nicht so gern gesehen.

Die Araber

Sozioökonomische Verhältnisse

Vier Dynastien beherrschten Spanien in zeitlicher Abfolge: Umayaden, Almoraviden, Almohaden und Nasriden
Von ca. 740 bis 1010 herrschte das Kalifat der Umayaden. Sie waren direkte Nachfolger des Kalifen von Damaskus und von Mohamed. Sie brachten eine Blüte hervor, die im 10. gipfelte.
Nach der stürmischen Eroberung dauert es recht lange, bis überhaupt Macht der Araber gefestigt ist.
Innerhalb des Machtbereiches der Araber gibt es immer wieder rebellische Christen, die ganze Reiche aufbauen:

- Toledo bis 950 mit Sonderstatus und damit fast rein christlich. 1085 aber bereits wieder von Christen zurückerobert. Also nur gut 100 Jahre mohamedanisch.
- Das Reich von Bobastro, das sich im Bergland von Ronda bis in die Mitte des 10. Jh. hielt. Ibn Hafsun gründete 850 Bobastro. Sein Grossvater war Christ und konvertierte. Ibn Hafsun wurde wieder Christ mit Berufung auf seine westgotischen Vorfahren. Bis 928 konnten seine Söhne sich halten. Das Reich muss zeitweise eine grosse Ausdehnung gehabt habe. Er nutzte eine Schwächeperiode der Umayaden aus, um sein Reich aufzubauen. Als die Umayaden wieder erstarkten, konnten sie das Rebellenreich dann zerstören.
- Auch in der Extremadura bestand eine Zeitlang ein christliches Reich.

Im ararbischen Bereich der Halbinsel entstand eine neue Blüte. Die alten römischen Strukturen wurden wiederbelebt und neue Bewässserungsanlagen aufgebaut. Ein kluges Steuersystem liess den Bauern genügend Ertrag, so dass sie an Steigerung interessiert waren. Neue Systeme in Handel, Lagerverwaltung, neue Agrarprodukte, Genussmittel brachten eine ungeheure Belebung der darniederliegenden Wirtschaft der späten Westgotenzeit. Vor allem wurden nun auch das Handwerk und das Kunsthandwerk stark aufgebaut. Es entstand erneut der Reichtum der Städte. Arabische Gebiete mussten reich gewesen sein und gerade für die christliche Oberschicht stellte der ganze arabischislamische Kulturkreis eine grosse Versuchung dar. Die Christen lebten, sicher bis ins 11. Jahrhundert hinein, unter den Arabern in Andalusien besser als in den kleinen christlichen Königtümern in den Bergen des Nordens.

Der Staatsapparat war gut ausgebaut, aber das Nachfolgerproblem nach Erlöschen der originalen Kaliffamilie nicht gelöst. Das Prinzip der Sippschaft gibt gute Treue auf unterer Ebene, aber zuwenig Zusammenhalt auf der Stufe Reich. Mächtig wurde aber das Reich auch durch hohen Stand der Mathematik, des Steuerwesens und der Wissenschaften.

10. und 11. Jahrhundert ist Córdoba die Weltstadt. Die beste Universität mit der grössten Bibliothek mit schätzungsweise 400'000 Büchern. Viele Christen, auch Mönche, studierten hier Medizin, Mathematik, etc. Berühmte Denker aller Konfessionen lebten in der toleranten Stadt.

Vielschichtige Beziehung Christen Mohamedaner:

- Phasen der Grenzkämpfe und der grossen Überfälle
- Aber sehr lange Phasen des Handels, der Prosperität und der Kooperation. In dieser Zeit erreichten uns die weiterentwickelten antiken Wissenschaften via Córdoba. Wichtige Zeit des Transfers:
- arabische Ziffern, die eigentlich indisch sind
- Alchemie, Mathematik, Geometrie, Astrologie/Astronomie
- Aber auch Produkte und Genüsse

Zur gleichen Zeit eher erbärmlicher Zustand der christlichen Reiche. Vor allem Asturien beginnt mit dem Kampf gegen Islam. Dank der Berge kann sich ein kleines Königreich im NW halten. Aber es war arm, da es kaum grössere Ressourcen besass. Eigentlich kulturell veraltet, auf Stufe westgotisches Reich stehengeblieben. Adel und Klerus mit westgotischer Abstammung. Stark noch westgotischer Ritual und einige Grundzüge des wetgotischen Kodex in der Rechtssprechung.

800 1000 grössere Eroberungen Richtung Altkastilien, also Becken des Duero. Kernland der Hispanidad wird erschlossen. Allerdings schwerer Rückschlag um 1000 durch Al Mansur.
Navarra und Aragon entstehen etwas später, aber auch wichtig im Kampf der Reconquista. Erreichen aber nie die Bedeutung von der zeitlichen Reihe Asturien Leon Kastilien.
Stagnation und Vorstoss. Neue Araber und Berber aus Nordafrika bringen wieder Bedrängnis für Christen. Aber es kann sich nie mehr ein einheitliches Reich bilden nach dem Verschwinden der Umayadenfamilie.
Etablierung von Königtümern. Verschiedene Allianzen und Bündnisse, aber insgesamt Vorstoss der Christen, vor allem über Kastilien. Toledo als Vorposten im islamischen Bereich bis 1212, umringt noch von arabischen Gebieten

1270 ist Portugal befreit.

Islamische Reiche halten sich in Zaragoza, Valencia, Murcia, Andalusien, Extremadura. Also liegt Kastilien am günstigsten und kann sich deshalb am schnellsten ausbreiten. Navarra und Aragón durch Zaragoza und Valencia beschränkt.

Mit der Schlacht von Navas de Tolosa (1212) wird der Weg geöffnet nach Andalusien

Die späte Reconquista

Während sich im Gebiete der Extremadura und im Westen noch lange islamische Reiche halten können, stossen die Kastilier im Zentrum recht früh weit nach Süden vor und erobern 1086 Toledo. Dann tritt hier allerdings eine Ruhezeit ein. 1212 Navas de Tolosa löst einen neuen Eroberungsschritt aus. Die christlichen Heere siegen südlich des Engpasses Desfiladero Despeñaperros, der von der Mancha nach Andalusien führt.
Die Könige können nur diesen Schritt wagen, weil die straff organisierte Almohadenmacht langsam zerfällt. Die Einheit unter den einzelnen Königreichen löst sich auf und die Kastilier stehen nun einer Gruppe von sich rivalisierenden, kleinen Königen gegenüber.

Der König von Baeza holt Fernando III, den Sieger von Tolosa, zur Hilfe, um gegen die anderen Könige zu kämpfen. Gemeinsam erobern sie einige Städte des oberen Guadlaquivirtales.
1226 wird der König von Baeza ermordert und damit kann Fernando III das Reich übernehmen.
1230 wird León Kastilien angegliedert durch Heiratspolitik und damit steht Fernando III noch mehr Macht zur Verfügung.
Nun führt Fernando III eine klare Eroberungspolitik und keine Bündnissucherei mehr.
1233 fällt Ubeda, 1236 Córdoba in kastilische Hände.1246 fallen Jaén und Carmona und schliesslich wird dieser Eroberungszyklus durch die Übergabe von Sevilla 1248 abgeschlossen.
Die Extremadura wird in der Zeitspanne von 1189 bis 1234 von den Christen wieder erobert.

Art der Eroberung

Die Reconquista verlief nicht immer blutig. Häufig genügte auch die offensichtliche Überlegenheit Kastiliens, um die Mohamedaner zur Übergabe zu zwingen. So wurden in der späteren Phase der Reconquista vier Übernahmefälle unterschieden:

1. durch Vertrag. Die Mudejaren behalten grösstenteils ihren Besitz und stellen sogar den Bürgermeister. Gewisse Güter werden konfisziert.
2. durch Waffengewalt. Wie zu jener Zeit üblich verlieren dann die Besiegten alle Rechte und werden im allgemeinen vertrieben.
3. durch Kapitulation. Die Mauren können sich gewisse Rechte noch aushandeln, verlieren aber doch zum Teil ihren Besitz. Sehr häufige Form, vor allem nach längeren Belagerungen.
4. Ein König wird Vasall. Es werden keine Truppen stationiert. Der König wird zu Zahlungen gezwungen. Sonst keine Einschränkung der Rechte.

Der Grundbesitz wird also in den Fällen 1,3 und 4 garantiert. Es werden Garnisonen mit Christen besetzt und in den strategisch wichtigen Städten auch christliche Siedler eingesetzt. Für sie wird aber das Grundeigentum von den Mohamedanern gekauft. Nur wenige Gebiete entvölkern sich und werden neu mit Christen besiedelt.
Mohamedaner unter christlicher Herrschaft heissen 'mudéjar'
1262 wird aber unter Umgehung der Verträge begonnen, einzelne wichtige Städte von Mudejaren zu entleeren und Christen einzusetzten. Die Unruhe unter den Mohamedanern steigt und das noch starke Granada sieht eine Chance, sein Hoheitsgebiet auszudehnen. So steuert es einen koordinierten Aufstand der Mudejaren 1264 in ganz Andalusien. Die Christen werden überrascht, reagieren aber sofort. Nach einer raschen Niederschlagung werden die Mudejaren fast vollständig aus den eroberten Gebieten vertrieben, nach Granada oder in den Maghreb.
Es bleiben nur ganz kleine Kolonien, morarías, vorab in den grössten Städten. Es sind im 15. Jahrhundert noch 300 Familien!

Die Wiederbesiedlung

Vorweg kann gesagt werden, dass die gewünschte Wiederbesiedlung nach der Vertreibung der Mudejaren gescheitert ist. Im 13. Jahrhundert kann keine genügende Besiedlung erreicht werden, was seine Auswirkungen bis heute zeigt.

Unendliche Gebiete verbuschen, werden zu macchia (monte bajo, matorral). Die Geschichte Kastiliens ist bis dahin schon eine Geschichte der Ausdehnung. Somit fehlt es ständig an Leuten. Vor allem sind keine Diener und Taglöhner vorhanden für die Grossgrundbesitzungen, die den Adligen zugesprochen werden. Denn wenn der kleine Mann nach Süden kommt, so will er als freier Bauer sein Land bebauen. Da nach der Vertreibung der Mohamedaner auch viele Städte zu Militärgarnisonen degradieren, ist kaum ein Markt für landwirtschaftliche Produkte. Mehr als Selbstversorgung ist kaum möglich. Hilfskräfte sind sehr teuer und die Produkte billig. Somit kommt es Ende 13., anfangs 14. Jahrhundert zu einer eigentlichen Krise und die fruchtbarsten Gebiete Spaniens liegen brach.
Noch Ende 13. Jahrhundert gibt es weite, menschenleere Zonen. Viele kehren nach Kastilien zurück, Adlige lassen ihr Land brach liegen. Somit ist es dem andalusischen Adel möglich, mit wenig Geld Riesenbesitztümer aufzubauen.

Erst im 14. Jahrhundert kommt die Wiederbesiedlung wieder in Gange, die Unterbesiedlung bleibt aber das Hauptproblem bis ins 16. Jahrhundert. Der Name Extremadura leitet sich denn auch vom Wort "Grenze, Grenzland" ab.

Grundeigentum

Je nach sozialer Zugehörigkeit bekamen die Siedler das Land. Die Krone konnte sehr grosszügig zuteilen und trotzdem blieb Vieles unverteilt. Das Land wurde eigentlich mit der Auflage verteilt, dort zu wohnen und bei der Verteidigung mitzuhelfen. Trotzdem verkauften viele nach kurzer Zeit und zogen wieder aus.
Eng Verwandte und gute Freunde des Königs bekamen riesige Ländereien mit Dörfern und Getreide und Ölmühlen. Flächenmässig ist dies aber nur ein kleiner Teil.
Kirchen, Klöster, Adlige und Militärorden bekamen verschieden grosse Ländereien zugesprochen, die sie dann zu besiedeln suchten.
Schliesslich bekamen einfache Ritter (hidalgo) und Bauern auch Land zur Bearbeitung.
Im 14. und 15. Jahrhundert konnten dann lokale Adelsgeschlechter massenweise Land aufkaufen und erst dann entstanden die immensen Grossgrundbesitzungen, die bis heute das Bild der flacheren Teile der Extremadura und Niederandalusiens prägen. Am Anfang wurden 60 bis 70% der Fläche an Bauern verteilt. Also blieb auch nach der Wiederbesiedlung das frühere Bild der Kleinbesitzes erhalten.

Grossgrundbesitz und Feudalismus

Also geht die Feudalisierung auf das 14. Jahrhundert zurück. In den Grenzzonen wurde sie schon mit der Abgabe von grossen Ländereien in den unsicheren Gebieten an Militärorden vorprogrammiert. Sonst aber konnten kleine, lokale Adelsfamilien durch Kriegsbeuten zu Geld kommen und damit die billigen, verbuschten Ländereien aufkaufen. Ihre Abstammung liegt übrigens häufig im Dunklen. Es sind Kriegsgewinnler und Abenteurer.

Altkastilische Städte

Landesnatur

Altkastilien ist ein riesiges Becken, das aus dem Zentrum heraus durch den Duero nach Westen entwässert wird. Die südlichen Städte liegen alle hoch, Avila mit 1100 m am höchsten. Der Untergrund besteht aus der alten Kontinentalscholle, die im Zentrum des kastilischen Beckens mit Sedimenten überdeckt ist; aber am Rande tritt der Granit zu Tage. Die hohe Lage, vor allem am Nord und Südrand bedingt ein rauhes Klima vom Typ kontinentales Mittelmeerklima, d.h. die Winter sind kühl bis kalt und regnerisch, die Sommer heiss und trocken. Der Südrand ist allerdings etwas milder als León oder Burgos, die am Nordrand liegen.

Geschichte

In der keltischen Zeit waren an günstigen Lagen Siedlungen zu finden. Insbesondere sind in der Region von Salamanca bis an die Küste in Portugal verschiedene Steinmetzarbeiten und in Stein gehauene Symbole gefunden worden. Berühmt sind vor allem die steinernen Wildschweine. Die Römer bauten all diese Städte aus. Überall finden sich noch Spuren römischer Mauern und auch Brücken. Zur Westgotenzeit sind die Gebiete bewohnt, wenn auch wenig Zeugnisse überliefert sind. Vermutlich waren sie Sitz lokaler Fürsten, die feudal über ein regionales Umland herrschten.

Auch die Araber zeigten nur mässiges Interesse an den Gebieten nördlich des Zentralen Systems. Das Klima war ihnen zu rauh. Für sie waren Andalusien und Extremadura die Paradiese.

Als nach 850 die asturischen Könige wieder aus den nördlichen Bergen in die Ebenen Altkastiliens vorstossen, wird die Bevölkerung weitgehend vertrieben. Wahrscheinlich war die Dichte schon gering. Die asturischen Könige holten anfänglich alle erreichbare Bevölkerung bis zum Duero zurück, um eine Zone der verbrannten Erde zwischen sich und die Araber zu bringen. Allmählich erstarkte die Macht von León, dem Nachfolgestaat von Asturien. Um 950 wurde die Duerolinie eingerichtet. Um Kastilien nördlich des Duero zu besiedeln, entstand entlang des Flusses eine Linie von bewehrten Städten. Als 1085 Toledo als einstige Hauptstadt aller Herrscher Iberiens endgültig eingenommen wurde, drangen die Heere auch nach Segovia, Avila und Salamanca vor. Die Städte waren wenig gepflegt und unbedeutend.

Adlige und Bauern, die sich an der Reconquista beteiligten, erhielten Sonderrechte. Den Adligen wurden Lehen gegeben, die Bauern erhielten recht hohen Freiheitsgrad in ihren Dörfern. Zum Teil wurde in den Dörfern eine germanisch anmutende untere Gerichtsbarkeit eingerichtet. Ob wohl hier noch letzte Resten germanischen Rechtes der Westgoten weiterlebten? Jedenfalls konnte nach der Vereinigung von León und Kastilien das Recht nie ganz vereinheitlicht werden, da die Adligen Leóns auf gewisse Rechte pochten, die dem germanischen Kreis entstammten.

Durch diese Rechte von Bürgern, Adligen und Bauern entstand ein gewisser Reichtum.

Entgegen vieler Schilderungen war die reichste Zeit für Kastilien und auch für Portugal und Katalonien nicht das goldene Zeitalter, das siglo de oro, sondern die Zeit des 13. bis 15. Jahrhunderts. Der Handel blühte. In vorindustriellen Manufakturen wurde Schafwolle verarbeitet, die Bauern brachten ihren Überschuss auf den Markt, das Handwerk blühte. Es waren der kastilische Hochadel und die Habsburgischen Könige, die den Reichtum Spaniens zerstörten. Einerseits richteten sich nach 1492 die Kräfte nach Übersee und andererseits wurde mit allen Mitteln versucht, die freien Bauern und den Landadel einzuschränken. Nach dem Vorbild Frankreichs wurde auch hier ein moderner Staat der frühen Neuzeit eingerichtet. Das hiess damals eine absolute Monarchie in einer dominanten Hauptstadt. Anfangs 16. Jahrhundert erhoben sich die Adligen und Bürger gegen die Abschaffung ihrer Privilegien. Es war der ComuneroAufstand von 1520/21, der in einer Schlacht mit einer Niederlage endete. Die Städte und Adligen verloren ihre Rechte und die Bauern sanken in die Leibeigenschaft ab. Für die riesigen Schafherden des Hochadels wurden spezielle Rechte eingeräumt, so dass die Bauern nur noch wenig Land für Ackerfrüchte hatten. Die Gegend verarmte und das Leid der ewigen Auswanderung, das leider jahrhundertelang die grössten Teile des ländlichen Spaniens und Portugals plagte, begann. Von diesen Rückschlägen erholten sich die Städte nie mehr, nicht einmal Segovia, die einstige Hauptstadt der Könige.

Tragischerweise sind es eben gerade solche Städte, die anfangs Neuzeit marginalisiert werden, die heute die grössten Sehenswürdigkeiten bieten, da die Bauten nicht der Neuzeit geopfert wurden.

Bis heute blieben diese Städte am Rande der Wirtschaft und Politik. Auch die neuen Wirtschaftsansiedlungen geschahen nicht hier. Noch heute leben auch die Bürger der Staat vor allem von der Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte des Umlandes und deren Vermarktung. Die modernen Industrien Altkastiliens konzentrieren sich vor allem auf Valladolid und ein wenig auf Burgos und León. Salamanca täuscht am ehesten eine blühende Stadt vor, doch das liegt vor allem an der internationalen Studentenschaft. Zudem liegt Salamanca abseits anderer Zentren, so dass es selbst das wichtigste Zentrum dieser Ecke Spaniens geblieben ist, während Segovia und Avila zusätzlich unter der Nähe zu Madrid leiden.